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Alles rund ums Radfahren in Wiener Neustadt.


Ein Kommentar

Ein Blick in die Zukunft

WNN-Radfahrer Hannes Höller, WNN 01/2016

Wenn ich jetzt Klimakonferenz schreibe, hören Sie dann gleich auf zu lesen? Sie denken sich vielleicht: Das hat mit Wiener Neustadt ganz wenig zu tun. Und mit mir persönlich noch viel weniger. Da wird etwas Kompliziertes verhandelt, da wird diskutiert und gestritten und am Ende gab es diesmal einen Beschluss. Die Zeitungen sind zwei Wochen voll – das war‘s.

Das könnte man so sehen. Ich versuch ihnen trotzdem zu beschreiben, dass das, was im Dezember in Paris von den Medien weltweit als „entscheidender Schritt in der Klimapolitik“ verkauft wurde, mit unserer Stadt und Ihnen persönlich sogar sehr viel zu tun hat. Mit dem ersten weltweit gültigen Klimavertrag wurde der Ausstieg aus Erdöl, Kohle und Gas beschlossen. Zwar erst 2050, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis im Verkehrsbereich der Rückzug der klimaschädlichen Motoren so richtig Fahrt aufnimmt. Viel greifbarer ist da schon das von der EU – und somit auch Österreich – verpflichtende Ziel für die Mobilität. Die Treibhausgase in diesem Sektor müssen bis 2030 um 20 Prozent reduziert werden. Das kann mit dem heutigen Mobilitätsverhalten nicht erreicht werden – eine Mobilitätswende wird kommen müssen.

Was heißt das jetzt für eine Gemeinde in Österreich bis 2030? Der Anteil von PKW-Fahrten wird um ein Drittel sinken und jedes zehnte Auto wird bereits ein Elektrofahrzeug sein. Gleichzeitig werden mehr Wege mit den Öffis, dem Fahrrad und zu Fuß zurückgelegt. Das Stadtbild wird sich dramatisch ändern, der Platzbedarf für Verkehrsflächen ordentlich sinken. Sinnvolle und an die Bedürfnisse der Zukunft ausgerichtete Investitionen wären zum Beispiel verkehrsberuhigende Rückbauten. Wie etwa der von Bürgermeister Schneeberger bereits angekündigte „Boulevard Grazer Straße“. 2030 klingt weit weg. Aber raten Sie mal, wann der Euro bei uns eingeführt wurde. Vor 14 Jahren – wie die Zeit vergeht.

Die angeführten Zahlen stammen aus dem Artikel “Gemeinden und die Mobilität der Zukunft”, KOMMUNAL - Magazin des Österreichischen Gemeindebundes - Ausgabe 01/2016, Autoren: DI Günther Lichtblau (Umweltbundesamt, Leiter der Abteilung Mobilität & Lärm), DI Martin Eder (BMLFUW, Abteilung I/5 Mobilität, Verkehr, Lärm).
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Radlerin des Monats August: Mariella Gögele (34, Ungarviertel)

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Die Lastenrad-Botschafterin und ihr Cabrio

Sie weiß, was Kinder brauchen. Und sie weiß, wie und wann sich Kinder so richtig wohlfühlen. Die Radfahrerin des Monats August, Mariella Gögele, ist Trageberaterin, Stoffwindelberaterin und Stillberaterin. Ihren beiden Kindern Elmar (11 Monate) und Konstantin (3 Jahre) gönnt sie jetzt den Luxus eines Cabrios auf drei Rädern. Auf ihrer Sitzbank machen es sich die beiden gemütlich, frische Luft weht ihnen durch die Haare und eine bessere Aussicht auf die großen Abenteuer da draußen, gibt’s für die Kleinen in keinem anderen fahrbaren Untersatz.

Zum Herzeigen & Hinschauen

Seit einem Monat ist die Familie Gögele im Besitz eines Babboe. „Eine Freundin von mir hat sich ein Lastenrad gekauft. Da wusste ich, so etwas will ich auch. Das Problem war nur, dass diese Räder gebraucht auf willhaben immer sofort weg sind – eine Neuanschaffung war mir etwas zu teuer.“ Ein Lastenrad-Stand auf der Baby-Expo, eine Probefahrt und zwei Gutscheine für Zubehör und Montage später, sind sie und ihr Mann Edgar jetzt doch Besitzer eines Babboe. 4 Kinder passen gleichzeitig hinein, vom Wocheneinkauf gar nicht zu reden. „Es funktioniert super. Man gewöhnt sich irrsinnig schnell daran. Ich fahr täglich damit: entweder zum Einkaufen oder ich bring meinen Großen in den Kindergarten.“ 24 km ist sie vorher täglich mit dem Auto vom Ungarviertel zum Kindergarten in die Breitenauer Siedlung gefahren – jetzt geht das kostensparend und gemütlich zugleich mit dem Rad. Auch das regnerische Wetter ist bald kein Gegenargument mehr: ein leicht montierbares Regendach – mit Panorama-Blick für die Kinder inklusive – ist schon bestellt. 

Es werden auch bei uns mehr werden

Damit die Fragerei so richtig schön weitergehen kann. „Na, wo haben sie denn das her?“, „Ja wie fährt es sich denn damit“ sind so klassische, oft gestellte Fragen. Eigentlich sollte Mariella Gögele von der Lastenradfirma ein Werbehonorar verlangen: „Es ist unglaublich, wie die Leute auf unser neues Lastenrad reagieren. Alle sind begeistert. Ich muss ständig Fragen beantworten. Ich bin mir sicher, dass es in Wiener Neustadt bald mehr davon zu sehen gibt“. Vielleicht trägt sie als Lastenrad-Botschafterin auch ein Stück dazu bei, dass das Autochaos vor den Kindergärten und Schulen etwas eingebremst wird. Die Rahmenbedingungen dafür passen: „Ich habe in Eisenstadt und Wien gelebt. Von den Radwegen her ist es hier bei uns am besten. Ich fühle mich richtig wohl. Auch wenn es schon noch etwas zum Verbessern gibt: der Radweg Neudörfler Straße ist eine richtige Rumpelpiste und in der Ungargasse ist es zu schmal.“

Text: Hannes Höller. Fotos & Video: Alexander Hawel.

Unser Tipp: Blog von Heavy Pedals – dem Lastenradspezialisten in Österreich.

RadlerInnen des Monats: Kennen Sie wen, den Sie gerne nominieren würden oder sind Sie selbst geeignet, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Die RadlerInnen des Monats werden auch in der NÖN – Wiener Neustadt vorgestellt.


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Radler des Monats Juli: Peter Bösch (68, Innenstadt)

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Der Rad-Primar aus dem Rad-Land

„Wiener Neustadt eignet sich perfekt zum Radfahren. Es ist schön flach, es regnet sehr selten und die Stadt ist nicht allzu groß.“ Was Peter Bösch da so sicher macht: der Vergleich und die jahrelange Praxis. Der Radfahrer des Monats Juli ist schon von Klein auf mit dem Rad unterwegs gewesen. Ins Gedächtnis hat sich sein Firmungsgeschenk gebrannt. „Ein blaues Puch-Rad mit einer 3-Gangschaltung. Das hat man bei uns damals nicht gekannt – einfach herrlich“, so Bösch. „Bei uns“, das war Dornbirn in Vorarlberg. Sein blaues Puch hat ihn überall hin gebracht: in die Schule genauso wie danach zum Schwimmen an den Bodensee. „In Vorarlberg fährt jeder mit dem Rad. Das war damals schon so und ist heute nicht anders.“

Die etwas anderen Erfahrungen

Völlig neue Erfahrungen hat er dann mit dem Umzug nach Wiener Neustadt gemacht. „Das war vor 30 Jahren. Ich bin wegen des Jobs hier her gekommen“. Bösch wurde Leiter der orthopädischen Abteilung im Krankenhaus Wiener Neustadt. Mit im Gepäck hatte er auch jede Menge an Fahrrad-Utensilien – einige Regenüberwürfe zum Beispiel. Erfahrung 1: Neustadt ist im Vergleich zum Rad-Land Vorarlberg eine Trockenzone. Erfahrung 2: In Neustadt fährt ja kaum wer mit dem Rad. „Ich hab das ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden. Ich bin aber trotzdem weiterhin aufs Rad gestiegen. Mittlerweile hat sich das zum Glück geändert. Bestes Beispiel ist das Krankenhaus: früher gab es kaum Radabstellplätze, jetzt gibt es riesige Anlagen und die sind voller Räder.“

Hören Sie auf Ihren Doktor

Geändert hat sich auch sein beruflicher Alltag. Univ-Prof. Dr. Bösch ist jetzt Projektleiter: „Ich bereite die Absiedlung der orthopädischen Abteilung nach Neunkirchen vor.“ Seine Ordination in der Bahngasse führt er weiterhin. Und dort „verschreibt“ er seinen PatientInnen das Radfahren: „Es gibt viele – vor allem ältere Personen, die nicht mehr aufs Rad steigen. Weil ihnen die Knie weh tun, weil sie Schwindelprobleme haben, weil der Nacken schmerzt oder weil sie Angst vor einem Sturz haben. Für Herz- und Kreislauf und Blutdruck gibt es aber kaum etwas Besseres. Wichtig sind das richtige Rad und die richtige Einstellung: Die Rahmengröße muss stimmen und die Sattelhöhe sowie die Distanz zwischen Sattel und Lenkrad individuell angepasst werden. Meistens ist der Sattel zu niedrig eingestellt, da bekomm ich schon beim Hinsehen Knieschmerzen. Für Personen mit Hüftproblemen gibt es mittlerweile ja auch sehr gute Räder mit tiefem Einstieg und falls wer Schwindel hat, kann er ein Dreirad nutzen.“ Der Klassiker unter den Gesundheitsprobleme ist das Kreuz, auch da rät der Primar zum Rad: „Wenn man Rad fährt, kommt man ganz von alleine aus dem Hohlkreuz wieder heraus. Man braucht nicht einmal einen Experten für die Einstellung von Lenker und Sattel. Probieren Sie es einfach aus. Man spürt schon, was einem gut tut.“ Hier gibt’s weitere Tipps zum Thema.

Nord-Süd-Achse & Kollonitschgasse

Und wo sieht der Rad-Primar aus dem Rad-Land in der eigentlich idealen Rad-Stadt Wiener Neustadt noch Verbesserungsmöglichkeiten: „Am Ring kann man schön fahren. Die Nord-Süd-Achse ist dagegen eine Katastrophe. Auf der Grazer Straße traut man sich nicht zu fahren. Dabei wäre es meiner Meinung nach kein Problem, wenn man dort mehr Platz für Radfahrer schafft. Gefährlich ist auch die Kollonitschgasse, vor allem die Kreuzung mit dem Ring. Da weiß man nicht, wo man sich einordnen soll.“

Text: Hannes Höller. Fotos: Alexander Hawel

RadlerInnen des Monats: Kennen Sie wen, den Sie gerne nominieren würden oder sind Sie selbst geeignet, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Die RadlerInnen des Monats werden auch in der NÖN – Wiener Neustadt vorgestellt.