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Alles rund ums Radfahren in Wiener Neustadt.

Radler des Monats Juni: Hermann Mayrhofer (67, Josefstadt)

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Ein Wirklicher Hofrat als Mutmacher.

Viele Fahrräder begleiteten ihn bereits durch sein Leben. Sein heutiges Fahrrad hat ihm ein gutes Stück aus der schwierigsten Phase in seinem Leben geholfen. Dass Hermann Mayrhofer heute immer noch Rad fährt, ist nämlich alles andere als selbstverständlich.

„Es war der 15. November 1997“, schießt es aus ihm heraus. Ein Schlaganfall traf ihn wie aus heiterem Himmel. „Ich war verzweifelt. Ich wusste weder den Namen meiner Kinder noch den meiner Frau. Gehen konnte ich auch nicht. Vom Radfahren gar nicht zu reden“, blickt Hermann Mayrhofer zurück. Bis zu diesem Tag hat sich der Ur-Josefständer, er wurde dort geboren und wohnt dort immer noch, Stück für Stück nach oben gearbeitet. Nach der Handelsschule startete er bei der Gemeinde Pottendorf, dann holte er die Matura nach und begann zu studieren. „Germanistik und Publizistik – neun Jahre habe ich gebraucht. Dazwischen habe ich arbeiten müssen, um mir das Studium zu finanzieren.“ Von 1978 bis 1982 war Mayrhofer Bezirkssekretär der SPÖ in Wiener Neustadt. Von dort wechselte er zur AZ – zur Arbeiter-Zeitung. Bis 1991 war er Chefredakteur der Niederösterreich-Ausgabe. „Bis zum bitteren Ende“, ergänzt Mayrhofer und spielt auf die Einstellung des ehemaligen Zentralorgans der SPÖ an. Jobsorgen brauchte er sich trotzdem keine zu machen. Der damalige Landeshauptmann Siegfried Ludwig klopfte bei ihm an. „Einige Gehaltsverhandlungen später war ich Mitarbeiter des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung.“ Und wieder einige Jahre später wurde er „Wirklicher Hofrat“ – ein Titel, den österreichische Bundesländer vergeben. „Wirklich“ bedeutet übrigens „wirkend“.

Genauso zielstrebig wie im Job war er aber auch beim Radfahren. Der Radrennsport war und ist seine große Leidenschaft. „1969 hab ich als Radrennfahrer begonnen“, schießt auch dieses Datum aus ihm heraus. „Mein Spezialgebiet war hügeliges Terrain und mein größter Erfolg ein 7. Platz in Pitten bei einem A-Rennen – das ist die höchste Wertungsklasse im Radrennsport. Gewonnen hat damals übrigens der österreichische Bergmeister Anton Schöllberger.“ So richtig sentimental wird es, als Mayrhofer einen Nebenraum seines Einfamilienhauses öffnet. Schon leicht verstaubt, aber in voller Eleganz hängt es da: sein Rennrad – ein echtes Pinarello. „Während des Studiums bin ich 90 km pro Tag gefahren – unter der Woche. Am Wochenende gabs dann die Rennen. Eigentlich waren wir damals Profis, nur haben wir es nicht gesagt“, rückt der Radsportler sein Hobby ins rechte Licht.

Das Ehrenzeichen der Stadt Wiener Neustadt erhielt Hermann Mayrhofer 2011 aber nicht als Radsportler, sondern als Anerkennung für eine seiner weiteren Tätigkeiten. 1976 gründete er gemeinsam mit Leopold Hummelbrunner den Radsportverein ARBÖ Wiener Neustadt. Vor zwei Wochen wurde er als Obmann wieder gewählt. Wer das Radkriterium im Musikantenviertel kennt, der ahnt jetzt wahrscheinlich, wer als Organisator dahinter steckt: genau, der frischgekürte Radler des Monats Juni 2014. Mayrhofer: „Leider fällt es heuer erstmals aus. Wir suchen nach einer neuen Streckenführung und hoffen, dass es nächstes Jahr weiter geht.“ Bis zu 100 RadsportlerInnen flitzten in den besten Jahren durch die Straßen Wiener Neustadts.

Neben der Wiederaufnahme des Kriteriums hat Mayrhofer einen weiteren Wunschtraum. „Wenn ich mal einen Sechser im Lotto mache, dann kauf ich mir ein neues Rad. Eines mit zwei Rädern vorne und einem hinten – die sind aber sehr teuer.“ Bis dahin muss er mit seinem 28 kg schweren Dreirad – samt zwei Rädern hinten und einem vorne – auskommen. Wenn er erzählt, wie er damit auskommt, wird einigen der Atem weg bleiben. Anderen wiederum macht er Mut. „Die Alltagswege zum Bäcker, zum Spar oder zum Merkur fahr ich alle mit dem Rad – selbstverständlich. Kürzere Strecken über die Fischauer Vorberge sind auch kein Problem. Genauso wie Touren auf dem Biedermeier-Radweg oder dem Thermenradweg. Auf 10 km komme ich so und so täglich, auch ohne eine Ausfahrt.“ Der Schlaganfall hat ihn in seiner Mobilität zwar eingeschränkt, konnte ihn aber nicht bremsen: „Das Radfahren hat mir einen Teil des vorher Selbstverständlichen im Leben wieder zurückgegeben.“

Der Mutmacher ist mit den Radbedingungen in Wiener Neustadt übrigens durchaus zufrieden. „Ich versteh die Leute nicht, die aufs Rad verzichten. Neustadt ist schön flach. Hier kann man bequem Radfahren.“ Und auch in diesem Bereich hat sich Mayrhofer nicht auf andere verlassen, sondern hat selbst mitgemischt: „Der eine oder andere Radweg ist dank unserer Initiative entstanden.“

Text: Hannes Höller. Fotos: Alexander Hawel

RadlerInnen des Monats: Kennen Sie wen, den Sie gerne nominieren würden oder sind Sie selbst geeignet, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Die RadlerInnen des Monats werden auch in der NÖN – Wiener Neustadt vorgestellt.

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